Nich Sankt. Ich kenne ein paar … na ja wenige Leute, die sind Sankt Pauli Fans. Also FC Sank Pauli von 1910 e.V. zumindest.

Aber wir werden uns nun wirklich an ein paar andere Pauli-Fans gewöhnen müssen, wie es scheint. Frau Pauli jedenfalls will die Freie Union gründen. Eine neue Partei, weil wir ja noch nicht genug <5% Parteien haben. Okay, ich würde auch eine gründen. Themen fielen mir genug ein, deswegen wollte ich mir mal die Füllerin des medialen Sommerlochs ansehen.

Beim Lesen der Grundgedanken ihrer Parteigründung – derzeit auf der Startseite der Website – fiel mir zuerst meine Mitbewohnerin ein. Die behauptet öfter, sehr desillusioniert zu sein. Nu frag ich mich, ob das abfärbt. Weil das was Frau Pauli da schreibt, ein paar nette Betrachtungen über die Welt enthällt, auf einem Niveau, das meine Oma auch hingekriegt hätte. Also jedenfalls ist das Gelaber schon beachtlich, wenn man – nein frau – aus der CSU kommt. Aber dünn, zu dünn, um irgendwelche politische Relevanz zu haben.

Das System ändern wollen viele, von ganz rechts bis ganz links. Manche nennen es auch so. Vornehmlich die an den Rändern des Spektrums. Nu ist der Begriff in der Mitte der Gesellschaft angekommen. Mit Frau Pauli, was für eine Karriere. Von der Mitarbeiterin eines explizit nicht genannten Abgeordneten im Bayrischen Landtag über das Zugpferd einer Nicht-Partei-sein-wollenden-Partei der Freien Wähler zur Systemänderin.

Das erste Mal hab ich abgeschaltet, als es um den Sozialneid ging. Das Aus für ihre Grundgedanken kam bei ihrem vulgärspychologischen Ansatz, zu erklären, warum die Jugend von heute so Scheiße drauf ist.

Nu muss man sicher noch abwarten, was die eigentliche Parteigründung bringt. Schließlich muss ja zur Bundestagswahl mindestens ein Wahlprogramm her. Wie lange Zeit haben sie noch … ?

Aber ich fürchte, wenn da nicht was grundlegend tiefergehendes drinsteht, dürfte das Projekt RB Leipzig für mehr Aufregung sorgen, so über die Jahre, als die Freie Wählerschaft der Christlich Sozialen Union. Ach ne, Frau Pauli. Ich war auch mal Politprofi. Und so Ausgründungen und Neugründungen und sowas hab ich zur Genüge erlebt. Und irgendwie kommt es mir so vor, als wären Sie gar nicht weit genug weg, nein lange genug aus der CSU verschwunden. Da fehlt was. Da fehlt das Setzen von Ideen, das Verarbeiten von Erfahrungen, die neue Qualität.

Was soll das werden? Die Lafontaine der CSU? Die Dittfurt der bürgerlichen Mitte? Die eine hat es nie geschafft, den Kaderstil ihrer politischen Ursprungsfamilie (das waren ja nicht die GRÜNEN) zu überwinden. Der andere hat … ach was weiß ich, was sein Trauma ist. Das Drama ist eher, das beide an sich selbst gescheitert sind. Und gute Projekte mitnehmen. Ich hab auf die Art auch schon geschafft, eine Partei existentiell zu gefährden. Ist länger her und kann heute cool betrachtet werden.

Ferdinand Schill, noch so ein mitreißender Selbstscheiterer, konnte wenigstens markig die Inhaltsleere überdecken. Wenn Gabriele Pauli jetzt aus ihrer Direktkandidatur ableitet, WählerInnen zu haben, will ich sehen, wie sie Deutschland zu ihrem, also _ihrem_, Wahlkreis machen will. Bei den kleinen Parteien reicht das Kleben von Köpfen nicht zum Wahlkampf. Zumal, wenn es sich dabei nicht nur um eine Null-Punkt-Partei (im Gegegsatz zu Ein-Punkt-Parteien) handelt, sondern auch um eine Ein-Kopf-Partei. 

Jau und so denkt sich denn mein einer Kopf, der 1. FC Union ist doch grad in die zweite Liga aufgestiegen. Vielleicht sollte ich mal mit den paar Pauli Fans, die ich kenne, in die Wuhlheide fahren, wenn der FC St. Pauli in Berlin gastiert. Der andere Kopf schläft schon. ;)

P.S. Ich hätte ein paar mehr Links setzen können. Nur leider ist Janas Rechner huete Abend nicht mehr zurechnungsfähig.