Ich sitze auf einer Art Balkon. Balkon ist schon fast untertrieben. Teile davon liegen jedenfalls unter freiem Himmel. Das nette an diesem Balkon ist u.a., dass hier uneingeschränkter, wenn auch gerade scheiß langsamer WLANZugang besteht. Weswegen ich mal live mit einem geborgten Netti von einem Luftangriff berichten muss, der gerade eben stattgefunden hat. Jetzt, in diesem Moment, da ich diese Zeilen schreibe
Er kam von enem Vogel, der in großer Höhe über mir schwebte, eine Art Schwalbe vermute ich. Damit ist zumindest gesagt, dass mich der Vogel nicht per Sturzflug angegriffen hat, sondern den Tisch, das Netti und meine Hand mit biologischen Waffen bombardiert hat. Vielen Dank.
Noch zu sagen wäre, dass dieser Balkon nicht etwa da ist, wo ich gewöhnlich wohne. Der Balkon befindet sich mitten in Venedig. Und wenn ich mich hier so umsehe, find ich direkt den Engel auf der Spitze des Kampanile auf den Piazza di San Marco. Der Blick aus dem Küchenfenster offenbart u.a. die Kuppel von Santa Maria de la Salute.
Für KennerInnen heißt das vor allem eines: Ich hab diesen Balkon nicht gemietet. Könnte ich mir grad gar nicht leisten. Unten gondeln die Gondeln, der Canal Grande ist ein paar Minuten zu Fuß.
Schon wieder. Diesmal wurde der Balkon von einem Schwarm Stare überflogen. Diese Stadt ist nicht nur sauteuer, man wird auch beschissen, von den Vögeln.Es ist nicht die einzige Widrigkeit dieser Tour. Aber eine, mit der ich nicht gerechnet habe.
Watt tut man nich alles, um mal wieder richtig aus dem Land der Deutschen zu kommen. Selbst der venezianische Campo de Tedesci ist ganz woanders.Wenn dann jetzt nicht nur mein Körper hier ankommen würde, sondern auch noch mein Kopp, könnte es dennoch ein akzeptabler Urlaub werden. Wir werden sehen.
Glücklicherweise sind hier die Spuren der FußballWM etwas weniger klar sichtbar. Keine Fahnen und so. Das liegt sicher an mehreren Gründen. Ganz banal: Die Republik Venedig nimmt auf Grund einer temporalen Verzerrung nicht an der WM teil. Die Begegnung Frankreich – Italien fand bereits kurz nach der Gruppenphase statt, auf dem Flughafen. Und wer in Venedig ist eigentlich ItalienerIn?
Wie dem auch sei, es wird hier früher dunkel und später hell. Den Ausgleich schafft eine krassere Photonenmenge während des Tages. Den Tropen näher, werde ich demnächst ins Bett gehen, sofern mir meine Tochter in selbigem Platz gelassen hat.